Benjamin Schmid Plays Gulda & Hank

Part I: Benjamin Schmid spielt Violinkonzerte von Friedrich Gulda und Sabina Hank

Part II: Sabina Hank Trio feat. Benjamin Schmid plays Gulda & Hank

Klassik und Jazz: Das sind längst keine getrennten Welten mehr. Die Grenzen stehen weit offen. An diesen Orten des freien Übergangs zwischen komponierter und improvisierter Musik treffen sich der Geiger Benjamin Schmid und die Sängerin, Pianistin und Komponistin Sabina Hank am liebsten, wenn sie für ein Projekt gemeinsame Sache machen. Benjamin Schmid gehört zu einem kleinen Zirkel hochkarätiger, klassischer Virtuosen, die auch als Jazzsolisten erfolgreich sind. Und in Sabina Hanks kompositorischer Arbeit spielen eine frühe klassische Prägung, ihre Erfahrungen als Musikerin auf internationalen Jazzbühnen und eine starke Intuition als Songschreiberin gleichberechtigte Rollen.

Ihre jüngste Zusammenarbeit widmen Sabina Hank und Benjamin Schmid einem großen Kollegen: Die Jazzkompositionen von Friedrich Gulda (1930 – 2000) stehen gemeinsam mit Werken von Sabina Hank im Mittelpunkt eines außergewöhnlichen Konzertabends. Das Jahr 2010 bietet dafür einen doppelten Anlass: Den 80. Geburtstag des Ausnahmekünstlers und das Gedenken an seinen 10. Todestag.

Grenzen gab es auch für Friedrich Gulda nicht: Als klassischer Interpret genoss er uneingeschränkt den Ruhm eines Genies. Als leidenschaftlicher Verfechter des Jazz als einer Musik der Freiheit rebellierte er gleichzeitig gegen die starren Normen des Klassikbetriebs. Mit seinen Auftritten sorgte erauch für manchen Skandal. „Doch vor allem hat sich Friedrich Gulda neben seiner klassischen Karriere seit seiner Jugend sehr intensiv und ernsthaft mit Jazz befasst“, sagt Benjamin Schmid. „60 Jahre seines Lebens hat er kontinuierlich Jazzstücke geschrieben, die leider heute viel zu selten zu hören sind. Er wollte dieser Kunst einen gebührenden Raum verschaffen. ich habe größten Respekt vor so viel schöpferischer Kraft. “ Dem stimmt auch Sabina Hank zu: „Ich habe Friedrich Gulda zunächst als klassischen Interpreten bewundert. Als ich dann erstmals sein Gesamtwerk entdeckt habe, war ich sprachlos.“

Benjamin Schmid spielt Gulda und Hank: Unter diesem Motto stehen einander im ersten Teil des Abends zwei Violinkonzerte gegenüber. In einem zweiten Teil interpretieren Sabina Hank und ihr Trio mit Benjamin Schmid als Gastsolist Kompositionen von Hank sowie Jazzstücke von Gulda, die Sabina Hank speziell für die Quartettbesetzung neu arrangiert hat.

Sein 1974 in Salzburg uraufgeführtes Konzert für Solovioline, Streicherbesetzung und Band, mit dem Schmid und die Camerata Salzburg das Konzert eröffnen, hat Friedrich Gulda „Wings“ genannt . Sabina Hanks dreisätziges Konzert für Streicher und Solovioline, das sie 2008 im Auftrag des Mattseer Diabellisommers für Benjamin Schmid schrieb, trägt den Titel „Three Songs for an Abandoned Angel“.

Was beide Werke miteinander verbindet? „Vordergründig sind es zwei zeitgenössische, österreichische Violinkonzerte, die in klassischem Sinn komponiert sind, aber stark mit Jazz-Idiomen arbeiten und Raum für Improvisation bieten“, erläutert Schmid. „Und darüber hinaus ist jedes für sich ein außergewöhnliches Werk.“

Wie Sabina Hank arbeitet, wenn sie statt für ihre Band für Streichorchester und einen Solisten komponiert? „Eigentlich schreibe ich immer Songs – egal, ob sie 40 Minuten dauern oder vier“, sagt Hank, und erklärt damit auch den Titel ihres Violinkonzertes. Mit dem Auftrag hat sich für die Komponistin ein Wunsch erfüllt: „Es gibt keinen Geiger, für den ich lieber schreibe – auch, weil bei ihm in jedem Ton die Bewusstheit zweier musikalischer Welten zu hören ist.“

Für den Widmungsträger Schmid wiederum lässt das Werk keine Wünsche offen: „Sabina Hank ist für mich eine der großartigsten Komponistinnen und Arrangeurinnen, sie hat ein sehr ehrliches, inneres Ohr, dem sie sich anvertraut, und sie weiß sehr genau, was sie will. Es ist wichtig, dass sich zwei Musiker aufs Beste verstehen. Und wir haben über die Parameter unserer gemeinsamen Leidenschaft sehr, sehr viele Gespräche geführt. “

 

Line up:

Part I: Benjamin Schmid spielt Violinkonzerte von Friedrich Gulda und Sabina Hank

Benjamin Schmid, Violine
Camerata Salzburg
Christian Lettner, Schlagzeug
Alexander Meik, Bass
Andreas Grabner, Pauken

Part II: Sabina Hank Trio feat. Benjamin Schmid plays Gulda & Hank

Benjamin Schmid, violin
Sabina Hank, vocals & piano
Alexander Meik, bass
Christian Lettner, drums

Genaue Werkangabe Part I:
1. Friedrich Gulda: “Wings”, Concertpiece for Soloviolin, Strings and Rhythmsection
2. Sabina Hank: Violin Concert (2008) for Soloviolin & Stringorchestra “3 songs for an abandoned angel”

Sabina Hank & Willi Resetarits

„Abendlieder“

„Hank gelang es eine Symbiose aus Wort und Ton zu schaffen, die ans Herz rührt- die Abendlieder sind Resetarits auf den Leib geschrieben.“ (Kronenzeitung)

„Wenn die Salzburger Sängerin und Pianistin Sabina Hank und der Wiener Vokalist und

Rockn´Roll-Ruheständler Willi Resetarits sich in einem gemeinsamen Liederprogramm Soyfers Werk nähern, kommt dabei eine unprätentiöse und gleichzeitig kraftvolle Musik heraus. Die von Hank erdachten, offenen Songformate lassen den Worten viel Platz zur Entfaltung und den Musikern viel Raum für fein schattierte Klangfarben.

Alles in allem: Jazzpoesie und ein Abend grosser Lieder.“ (Salzburger Nachrichten)

“Dem herbstlichen Lebensbild der Texte, ihrer Melancholie und Leidenschaft schuf Hank einen musikalischen Rahmen von bemerkenswerter klanglicher Weite. Die gewohnt facettenreichen Kompositionen bezeugen eine der Auseinandersetzung mit der soyfer´schen Lyrik entsprungene Freude, dem Vermächtnis aus Zeiten der Kälte gerecht zu werden. mit “Abendlieder” haben Sabina Hank und Willi Resetarits ein bewegendes Stück Musik hervorgebracht, das eine Verewigung auf Silberling verdient.” (Jazzzeit)

Liner Notes (von Ernst Molden):
Die Live-Platte ist der Offenbarungseid des Musikers.

Nicht, daß man keinen Meineid schwören könnte, am Konzertdokument läßt sich in Zeiten elektronischer Postproduktion allerhand manipulieren. Schnell ist ein Applaus aufgefettet oder das eine oder andere Malheur vertuscht. Aber die Essenz eines Konzertes, das Einzigartige daran, das eigentlich gar nicht hör- sondern nur spürbare federnde Verbundensein der Künstler mit ihrem Publikum, das bleibt gottlob unsimulierbar. Solches Schwingen muß stattgefunden haben, sonst wird es auf jeder Platte fehlen.

Sabina Hank und Wilhelm Resetarits ist unter diesem Aspekt mit ihren „Abendliedern“ das Kunststück eines vollkommenen Live-Albums gelungen. Denn für die Dauer eines Abends, einer Handvoll sparsam instrumentierter, unendlich behutsam arrangierter Lieder genießen die beiden eine ungeteilte, fast atemlose Aufmerksamkeit, gilt ihnen eine stille Berührtheit, die diese Platte so anstrengungslos und so lebendig macht.

Das liegt sicher am hervorragenden kleinen Ensemble, den Saxophonisten Gerald Preinfalk und Herbert Berger, den Bassisten Georg Breinschmid und Alex Meik.

Das liegt an Sabina Hanks Klavierspiel, das bei aller Virtuosität den Songs, die es auf Händen trägt, keinen Augenblick im Weg steht.

Aber in erster Linie liegt es an den beiden Sängern, die so genau wissen, weshalb und wie sie ihre Geschichten erzählen müssen.

Diese schwierigen Geschichten.

Wer musikalisch an den Texten von Jura Soyfer und HC Artmann rührt, macht es sich nicht leicht. Soyfers brillanter Nachdruck und seine politische wie menschliche Hellsichtigkeit können auch mit Musik kaum mehr verstärkt werden. Sabina Hank versucht es gar nicht, weist vielmehr mit ihren flirrenden Kompositionen den Befunden des Dichters einen Weg auch in die Seelen von Hörern, die sich diesen Texten sonst womöglich nicht geöffnet hätten. Anders bei Artmann: Hier liegt schon soviel Musik in der Sprache, daß die Komponisten (neben Hank auch Willi Resetarits und Herbert Berger) die glitzernden Fäden der Lyrik nur noch aufnehmen und weiterspinnen.

Dieses Album ist voller Momente, die dem Hörer schon nach dem ersten Mal eingeschrieben bleiben: die beschwörende Stimme von Willi Resetarits auf „Sturmzeit“, die so stolze Verlorenheit des Wanderliedes mit der Aufforderung „Such dir das Land, das dir gehört“, der unbedingte Existenzialismus in „Samma scho Menschen“. Im Artmann-Teil des Zyklus, wo der Abend wärmer ist, die Musik so stark und beidbeinig am Boden steht, da finden sich mit „Liad En Suma“ und „Alanech fia Dii“ zwei der schönsten österreichischen Liebeslieder überhaupt.

Es gibt nur eine Möglichkeit, das Hören des Albums „Abendlieder“ zu substituieren: ein Konzert der „Abendlieder“ mit Hank und Resetarits zu besuchen, selbst Teil dieses eigenwilliges Liederabends zu werden. Da gilt es dann zu hoffen, daß die Dichte dieser Live-Platte noch einmal erreicht wird. Schwer vorzustellen, bei diesen Protagonisten aber nicht undenkbar.

Ernst Molden (Wien, Sommer 2008)

Live Line up:
Willi Resetarits, Gesang
Sabina Hank, Gesang & Klavier
Herb Berger, Saxofon & chromatische Mundharmonika
Alex Meik, Kontrabass